Idee

In den Jahren 1997–98 überlegte Rolf Nyfeler, wie eine Praxisgemeinschaft beschaffen sein muss, um einerseits gegenseitige Förderung der Fachkräfte zu ermöglichen und eine Qualitätssicherung für den Klienten zu schaffen, anderseits die Selbständigkeit und Kreativität der Fachkräfte zu erhalten.

Das Problem

Rolf Nyfeler arbeitete damals bereits seit 10 Jahren in einer Praxisgemeinschaft. Diese war, wie üblich, so strukturiert, dass gemeinsam Räumlichkeiten gemietet wurden, jede und jeder jedoch seiner psychotherapeutischen Praxis nachging, dabei informelle Treffen für den meist freundschaftlichen Austausch sorgten. Trat eine Fachkraft aus, so ergaben sich gerne Konflikte, veränderte eine Fachkraft ihre Arbeit, so hatte dies meist grössere Auswirkungen auf die andern. Dies waren einige der Nachteile einer herkömmlichen Praxisgemeinschaft.

Die Vision

Wie kann man bestmöglich Lernen – die aktuelle, tägliche Arbeit am und mit dem einzelnen Kind oder Personen – in einer Gruppe entwickeln? Wie hat eine Gruppe selbständig arbeitender Therapeuten sich zu organisieren, um eine lernende Organisation zu sein? Wie kann das implizite Wissen einer Fachkraft für die andern zugänglich gemacht werden? Wie haben fachlich hochkompetente Fachkräfte miteinander umzugehen, so dass Wissen und Können beim Austritt einer hervorragenden Fachperson nicht einfach verloren geht? Wie kann die persönliche Entwicklung einer Fachperson in der Organisation genützt werden?

Die Arbeiten von Karl Erik Sveiby zu lernenden Organisationen wurden wegleitend in der Grundkonzeption der Lernpraxis (etwa Sveiby K.E. 1998. Wissenskapital – das unentdeckte Vermögen: immaterielle Unternehmenswerte aufspüren, messen und steigern, Verlag Moderne Industrie, ISBN 3-478-36060-9), wie auch weitere Bücher zu Themen wie intellektuelles Kapital, lernende Organisation und Wissensmanagement.

Weitere Anregungen wurden weniger in den traditionellen, bürokratischen Organisationen gefunden. Vielmehr kamen sie aus Beobachtungen, wie ein Orchester funktioniert, eine Gruppe Theaterleute oder ein alternatives Netzwerk von Handwerkern.

Die Konkretisierung

Im Jahre 1999 wurden Leitbild und interne Verbindlichkeiten der Fachkräfte geschrieben. Die Art der Eintritte und Austritte, die mögliche Auflösung der Organisation wurden durchdacht und festgehalten. Der rechtlichen Situation wurde vorerst wenig Beachtung geschenkt.